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50 Jahre Sozialwissenschaftliche Gesellschaft 1950 e.V.
50 Jahre - 1950 bis 2000 - sind noch kein Alter für eine historische Selbstdarstellung, sie sind wohl ein Anlass innezuhalten und sich im Rückblick wie in der Gegenwartsschau des
Erreichten und des gegenwärtigen Standortes zu vergewissern. Wenn auch die Namen der Gründerväter nur noch den ”Alten” unter uns etwas sagen, sie zu nennen bleibt Chronistenpflicht: Dipl.-Ing. Kurt Seidler, Dr.
phil. August Ventker, Johannes Schumann, Dr. med. Wilfried Staubert, Dr. phil. Carl Gerdts, alle Hamburg. Als einziger noch Lebender der Gründergeneration konnte Dr. Staubert auf der Mitgliederversammlung der SG am
31.03.2000 und den nachfolgenden 27. Mündener Gesprächen begrüßt werden.
Es waren noch keine fest umrissenen Aufgaben, die die ersten Jahre der SG bestimmten, bis in den 60er Jahren durch erste Vortragsveranstaltungen die Gesellschaft
ein eigenständiges Gesicht suchte. Dazu hatten sich regionale Zweige gebildet, von denen der Rhein-Ruhr-Zweig und der Rhein-Main- Zweig besonders hervortraten. Unter Karl Walker hatte sich der Rhein-Main-Zweig durch wissenschaftliche Arbeiten zu tagespolitischen Fragen einen Namen gemaccht, die in den SG-Kommentaren veröffentlicht wurden. Der Rhein-Ruhr-Zweig unter Bernd Hasecke, Albert Möllers, Karlheinz Jetzke trat durch Gründung der ”Akademie für Freie und Soziale Ordnung” hervor, die einmal jährlich eine Seminartagung in Dortmund anbot und dafür eine Finanzierung durch die Bundeszentrale für Politische Bildung erhalten konnte. Dieses Geld diente dann zur Finanzierung der Zeitschrift ”mensch - technik - gesellschaft - Zeitschrift für Sozialökonomie”, deren erste Folge im Dezember 1964 erschien. Die Redaktion bildeten damals Heinz-Peter Neumann, Claas-Hermann Janssen alias Elimar Rosenbohm, Bernd Hasecke und Kurt Th. Richter. Der Verlust der finanziellen Förderung durch die Bundeszentrale brachte das Ende für die Akademietagungen und schließlich auch für die hoffnungsvoll begonnene Zeitschrift. Die Aktiven des Rhein-Ruhr-Zweiges zogen sich aus der praktischen Arbeit zurück.
Desto stärker trat im Rhein-Main-Zweig Karl Walker in Erscheinung, der durch Vorträge, Bücher, Schriften und Denkschriften sowie ein volkswirtschaftliches Planspiel für die SG nach
außen wirkte. Wissenschaftliches Arbeiten bedarf der Unabhängigkeit, und es war deshalb Karl Walker, der daran arbeitete, der SG ein eingenständiges Profil zu geben. Nietzsche soll einmal sinngemäß gesagt haben:
”Ich suchte große Menschen, fand aber immer nur Schauspieler ihres Ideals.” Walker war ein großer Mensch. Erich Fromm hätte ihn eine authentische Persönlichkeit genannt, die Mut hat, Sicherheiten aufzugeben, Mut,
sich von den anderen zu unterscheiden und die Isolierung zu ertragen, wenn er ”an morschen Zäunen rüttelt”. Die von ihm in Gang gesetzte Grundsatzdiskussion ”Fortentwicklung freiwirtschaftlicher Vorstellungen” hält
über seinem Tod im Jahre 1975 hinaus an.
Mit der Übernahme des Vorsitzes durch Dr. Hans Doerner 1972, dem ich als 2. Vorsitzender zuarbeiten durfte, erhielt die SG nicht nur eine zeitgemäße Satzung, sondern die Zeitschrift
”mensch - technik - gesellschaft” konnte zu neuem Leben erweckt werden, da die von Johannes Schumann, Hamburg, gegründete Stiftung die Finanzierung von vier Folgen im Jahr übernahm. Elimar Rosenbohm übernahm die
Redaktion. Lange vermißt nach dem Erlöschen des Zitzmann-Verlages in Lauf bei Nürnberg wurde der Verlag von Christoph Gauke, damals noch in Hann. Münden ansässig, als Fachverlag für Sozialökonomie gewonnen, in dem
schließlich auch die Zeitschrift erschien.
Als Prof. Dr. Felix G. Binn zur SG stieß, trat ein Mann in den Mittelpunkt der Gesellschaft, der durch sein Exterieur, durch Beredsamkeit und sicheres Auftreten wie geschaffen
schien, das freiwirtschaftliche Gedankengut nun auch überzeugend in die Wissenschaft zu tragen. 1976 trat
Dr. Doerner als 1. Vorsitzender zurück, und überließ Prof. Binn die Leitung der SG, damit er uneingeschränkt agieren konnte. Werner Onken hatte 1983 die Redaktion der ”Zeitschrift für Sozialökonomie”, wie sie sich von nun an nannte, von Elimar Rosenbohm übernommen. Es folgten bedeutende Tagungen und Diskussionen von denen hier nur der Internationale Wirtschaftspolitische Kongress in Wörgl vom 12.- 15. Mai 1983, zur Erinnerung an das Freigeldexperiment im Jahre 1933, genannt sei, an dem die SG mitwirkte. Die Aufarbeitung der Tagungsergebnisse brachte Auseinandersetzungen zwischen den beteiligten freiwirtschaftlichen Organisationen, die schließlich zum Austritt von Prof. Binn führten.Wie immer, wenn sich alles der Strahlkraft einer Person unterordnet, wirkt der Verlust lähmend. Die SG musste wieder selbst laufen lernen.
Sie überstand den Sturz ins Ungewisse. Die Mitgliederversammlung 1984 in Osnabrück stellte die Weichen neu und wählte einen arbeitsfähigen Vorstand. Schon wurde der Gedanke an zwei
repräsentative Vortragsveranstaltungen im Jahr geboren. Die Mündener Gespräche kündigen sich an. Die Frage wurde damit dringend: Wie sollte die nicht mehr personengebundene Außenwirkung organisiert werden, wie
konnte aus Fehlern gelernt und Neues möglichst erfolgversprechend in Szene gesetzt werden? Warum können wir nicht diejenigen, die uns nicht zur Kenntnis nehmen wollen kontinuierlich als unsere Gäste einladen,
die wir anhören, mit denen wir diskutieren, ohne sie unbedingt von unseren Ansichten überzeugen zu wollen? Gewinnen wir damit nicht eher Sympathie und Vertrauen, als durch ständiges Besserwissen? Im Frühjahr
1986 starteten die ersten Mündener Gespräche, atmosphärisch noch ganz im alten Stil freiwirtschaftlicher Überzeugungsveranstaltungen.
Im Neujahrsbrief konnte ich schreiben: Mit dem Jahr 2000 gehen wir ins 15. Jahr der Mündener Gespräche, die nun schon längst das Stadium des Experiments hinter sich gelassen haben und
zu einer Einrichtung geworden sind, die akzeptiert wird und zunehmend mehr Zuspruch findet. Von 25 bis 30 Teilnehmern der Anfangsjahre hat sich die Besucherzahl auf 40 bis 50 eingependelt, wobei die Tagung zum EURO
mit 80 Teilnehmern herausragt. Die praktizierte Offenheit und der gewollte Wettbewerb der Meinungen, sowie die ständig geübte Praxis, die Freiwirtschaftslehre als gleichberechtigten Wettbewerber in den Diskurs mit
einzubringen, sind zum Markenzeichen der Mündener Gespräche geworden.
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