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Sozialwissenschaftliche Gesellschaft

Joseph Huber | James Robertson
Geldschöpfung in
öffentlicher Hand –

Weg zu einer gerechten Geldordnung im Informationszeitalter
Kiel: Verlag für Sozialökonomie, 2008.
96 Seiten.






Eine Rezension von
Dipl.-Kfm. Thomas Betz

Das soeben von Klaus Karwat aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte Buch könnte aktueller nicht sein, denn nach noch nicht einmal 80 Jahren wiederholt sich ganz offenbar die Geschichte (was ja gem. Berthold Brecht nur als Farce möglich ist): Die Geldmenge muss jedes Jahr mindestens um den Zinssatz wachsen, weil anders die Bedienung der der Geldschöpfung zugrunde liegenden Kredite gar nicht möglich wäre. Dies ist vergleichsweise wenig problematisch, solange das Bruttosozial- bzw. –inlandsprodukt entsprechend mitwächst, was in (Wieder-)Aufbauphasen möglich und durchaus auch sinnvoll ist, aber nicht ewig währen kann: Aufgrund von Sättigungstendenzen und (letztlich zinsbedingt) immer stärker werdender Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen wird die Nachfrage und damit das Wachstum der Realsphäre immer schwächer. Nicht so jedoch das Wachstum der monetären Sphäre, das sich nunmehr immer weiter von der Realsphäre abkoppelt und systemnotwendig zur Inflation führen muss: Allerdings weniger zur Inflation der Dinge des täglichen Bedarfs – die allein sich in den Warenkörben der Statistiker finden – sondern zur Inflation der Vermögenswerte, also der Aktien, der Immobilien, der Rohstoffe, der Edelmetalle, insbesondere aber auch der immer abstruseren Geldvermögens-Konstruktionen, die auch ihre schiere Existenz allein der Tatsache zu verdanken haben, dass die ebenfalls immer abstruseren Geldmengen irgendwo untergebracht werden müssen.

   Aber irgendwann nützt es auch nichts mehr, dass die amerikanische Zentralbank, wie in den letzten Jahren, die Geldmengenentwicklung verheimlicht und – mit fadenscheinigen Begründungen – die Geldmenge nicht mehr offiziell ausweist: Der geringste Zweifel daran, dass es ewig so weitergehen kann, führt nun dazu, dass die Vermögen schlagartig deflationieren und damit (bestehenden wie potentiell zukünftigen) Krediten die Besicherungsgrundlage entziehen. Eine Kettenreaktion kommt in Gang, deren Ende nicht absehbar ist, deren Folgen aber – es ist ja nicht das erste Mal – bekannt sind.

   Die beiden Autoren, Joseph Huber, Prof. für Wirtschafts- und Umweltsoziologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, und James Robertson, ehemaliger Direktor des Forschungsinstitutes der Britischen Banken und Politikberater, wollen nicht, dass es ewig so weitergeht und haben ein Ansinnen, das weit über alles hinausgeht, was gegenwärtig in den Medien diskutiert wird: Sie greifen einen Vorschlag des US-Ökonomen Irving Fisher (ein Hauptvertreter der Neoklassik) auf, den dieser 1935 unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise in seinem letzten Buch „100%-money“ vorgestellt hat (und welches bereits im letzten Jahr mit Unterstützung der „Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft“ sowie der „Stiftung zur Reform der Geld- und Bodenordnung“ von Klaus Karwat ins Deutsche übersetzt wurde) und mit dem sich auch schon Walter Eucken und Milton Friedman beschäftigt haben. Sie entwickelten Fishers Ansatz weiter, haben dabei aber ein ähnliches Problem wie Fisher: „Das komplizierte Geld- und Finanzsystem ist von einem Nebel umgeben, der das Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen erschwert. .... Manchmal hat man den Eindruck, dass die heutigen Statistiken und Begriffe über Geld speziell dazu erfunden wurden, um die tatsächliche Funktionsweise des Geldsystems zu verschleiern.“

   Der Wesenskern moderner Geldsysteme ist ein Phänomen, das selbst innerhalb der etablierten Ökonomie, v.a. aber in der Öffentlichkeit und bis tief in die Reihen der Geld- und Zinskritiker für Verwirrung sorgt: der moderne Geldschöpfungsprozess der Geschäftsbanken. Diese dürfen zwar in einem formalen Sinne keine gesetzlichen Zahlungsmittel erzeugen, aber bei der Kreditgewährung räumen sie dem Kreditnehmer einen Anspruch auf Zentralbankgeld ein, welcher nur zum geringsten Teil mit Zentralbankgeld selbst unterfüttert sein muss, aber als sog. (Zentralbank-)Geldsurrogat wirkt und auch vollumfänglich überall (auch beim Staat selbst) als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Damit ist die Situation gegeben, dass die (M3 genannte) Geldmenge zu 90-95% von der privaten Hand geschaffen wird und nur zum geringsten Teil vom Staat selbst. Die beiden Autoren halten diesen Zustand nicht nur für hochproblematisch, sondern auch für untragbar: „Heute nehmen Regierungen Schulden in einem Geld auf, dessen Neuschöpfung sie den Banken selbst genehmigt haben und für das sie Zinsen an Banken und Privatpersonen zahlen müssen.“ Ein großer Teil der Staatsverschuldung ist also allein der Tatsache „geschuldet“, dass der Staat das Geld im Wesentlichen nicht selbst „macht“, sondern „machen lässt“ und dafür Zinsen bezahlt. (Ein sog. „Staatsfinanzierer“ ist übrigens die HypoRealEstate bzw. deren Tochter Depfa).

   Ein weiteres Problem des gegenwärtigen Systems besteht in der fehlenden Geldmengen- und damit Inflations-(bzw. Deflations-)kontrolle der Zentralbanken, die die Geldmenge allenfalls indirekt über den Leitzins (mit dem sie selbst Zentralbankgeld an die Geschäftsbanken ausleihen) beeinflussen können. Aber die Geschäftsbanken verhalten sich „als gewinnorientierte Unternehmen natürlich prozyklisch und nicht antizyklisch. In Zeiten des Aufschwungs vergeben sie mehr Kredite, in Zeiten des Abschwungs weniger. Das von den Banken über Kredite geschöpfte Geld ist für die Schwankungen der Geldmenge verantwortlich und trägt so erheblich zur Überhitzung und Unterkühlung der Wirtschaft bei. Der derzeitige Mechanismus der Geldschöpfung verstärkt den Boom und verschlimmert die Depression.“ So hat die immer größer gewordene Geldmenge in den USA die Preise der Immobilien (aber auch anderer Vermögensformen) immer weiter in die Höhe getrieben, was wiederum den Wert der Sicherheiten und damit das Kredit- und Geldschöpfungspotential immer weiter erhöht hat. Umgekehrt saugen sich in der gegenwärtigen Situation – so auch in Deutschland – die Geschäftsbanken mit billigem Zentralbankgeld regelrecht voll, vergeben aber kaum noch selbst Kredite, weder an ihresgleichen noch an die Realwirtschaft und allenfalls zu horrenden Zinsen. In einer solchen System-Konstellation kann weder der für die Realwirtschaft maßgebliche Zins nach unten korrigiert noch die Deflation verhindert werden.

   Was ist also gemäß der beiden Autoren zu tun? Zunächst: „Die Geld- und Finanzinstitutionen werden die Gleichen bleiben. Fast alle täglichen Abläufe in den Banken und auf den Finanzmärkten werden so weitergehen, als wäre nichts passiert. Keinerlei Geldbesitz wird angetastet, Banken eingeschlossen. Nichts wird enteignet.“ Aber: „Sichtguthaben in der offiziellen Währung werden als gesetzliche Zahlungsmittel definiert und damit dem Bargeld rechtlich gleichgestellt. So werden sie in jeder Hinsicht zu vollwertigen gesetzlichen Zahlungsmitteln, also zu Vollgeld. Der Gesamtbetrag an unbarem Geld auf allen Girokonten .... wird zusammen mit dem Gesamtbetrag an umlaufendem Bargeld als die Geldgesamtmenge M an gesetzlichen Zahlungsmitteln definiert. Girokonten von Bankkunden werden aus den Bilanzen der Banken ausgegliedert. ... In der Praxis bedeutet dies, dass Zahlungen auf Vollgeldkonten immer entsprechende Abbuchungen von anderen Vollgeldkonten auslösen oder aber in Bargeld geleistet werden müssen. ... Nur der Zentralbank wird es möglich sein, Geld in einem Schöpfungsakt auszugeben, ohne es zuvor eingenommen zu haben.“

   Banken werden also zukünftig das Giralgeld ihrer Kunden genauso behandeln wie heute schon deren Wertpapiere in den entsprechenden Depots: Diese befinden sich nur in der Verwaltung, nicht jedoch im Eigentum und auch nicht in der Bilanz der Banken und sind deshalb von einer Bankenpleite auch nicht betroffen. Damit erübrigt sich zukünftig auch die Angst vor einem „Bankrun“, also dem massenhaften Ansturm der Bankkunden und dem Abheben von ihren Konten, denn die Solvenz einer Bank hängt allenfalls von ihrem eigenen Geld ab, nicht jedoch von dem Geld ihrer Kunden, das sie in deren Auftrag verwaltet. Umgekehrt könnte aber auch ein tatsächlicher Bankrun eine Bank gar nicht mehr in den Ruin treiben.

   Sind im Vollgeld-System geplante Staatsausgaben höher als die Steuereinnahmen und soll gleichzeitig die Geldmenge ausgeweitet werden (im Rahmen eines realen Wachstumsprozesses), so verschuldet sich der Staat gewissermaßen bei sich selbst bzw. gar nicht, indem er das Vollgeld durch öffentliche Ausgaben in Umlauf bringt. Auf diese Weise könnten also auch hochnachfragewirksame Sozialausgaben finanziert werden, um gleichzeitig eine wirtschaftliche Stagnation zu bekämpfen. Aber auch in der Vollgeld-Welt wird die Zentralbank den Geschäftsbanken wie bisher Geld kreditieren, was aber nunmehr bei Bedarf bzw. politischem Willen zu sehr geringen Zinssätzen – auch nahe oder gleich Null – möglich ist, und zwar ohne dass diese Praxis zu unkontrollierter Geldmengenausweitung und damit zu Inflation führen muss. Denn: „Die Menge des umlaufenden Geldes wird durch Kreditvergaben nicht mehr verändert.“ Gleichwohl wird es diese Kreditvergaben auch seitens der Geschäftsbanken nach wie vor geben, aber anders als bisher. Denn erst jetzt werden die Banken zu den „Finanzintermediären“, also den Vermittlern von Ersparnis und Investition, für die sie viele – allerdings zu Unrecht – bereits im bestehenden System halten. Denn: „Geschäftsbanken müssen dann alles von ihnen benötigte zusätzliche Geld ausleihen, bevor sie es für Kredite zur Verfügung stellen oder für andere Geschäfte ausgeben können.“

   Die Geldmengenentwicklung müsste auch nicht mehr indirekt und „unscharf“ über den Leitzins kontrolliert und korrigiert werden, sondern sie könnte direkt und auf den Cent genau erfolgen (ein Zustand, der Milton Friedman gefallen hätte). Besser noch: Es bedürfte nicht wirklich eines Zinses mehr, um die Entwicklung der Geldmenge im Zaume, um das Geld knapp zu halten. Auch deshalb wäre die Inflationskontrolle sehr viel effektiver, weil der Inflationsdruck sehr viel geringer wäre, denn das Preisniveau und das Geld sind sehr viel stabiler, wenn bei sehr viel niedrigeren Zinsätzen auch die zu kalkulierenden Finanzierungskosten in Gütern und Dienstleistungen sehr viel niedriger wären. Höhen und Tiefen der Konjunkturzyklen könnten besser ausgeglichen werden.

   Im gegenwärtigen System schöpfen die Banken mit der Vergabe von Krediten nicht nur Geld, sondern üben eine Investitionskontrolle aus und haben damit eine Schlüsselposition nicht nur bei der Schöpfung, sondern auch bei der Verwendung des Geldes. „Dabei bevorzugen sie diejenigen Kreditnehmer, die bereits über viel Geld und/oder andere Sicherheiten verfügen. Unser derzeitiges Geldsystem fördert so die wirtschaftlich Starken und Reichen und diskriminiert kleinere Firmen und weniger bemittelte Individuen.“ In einem Vollgeld-System könnte also „ein größerer Anteil des neu geschöpften Geldes unter Gemeinwohlaspekten ausgegeben werden. .... Dies bewirkt eine breitere Verteilung von Einkommen, Ersparnissen und Kapitalbesitz.“

   „Eine schuldenfreie Geldmenge, eine niedrigere Staatsverschuldung, ein besser ausgeglichener Staatshaushalt und eine niedrigere Steuerlast würden dazu beitragen, dass Unternehmen und private Haushalte über höhere Einkünfte verfügen und so eine breitere Vermögens- und Kapitalbasis aufbauen können. Dadurch würden sie unabhängiger von Subventionen, Sozialleistungen und Fremdkapital und könnten so besser für sich selbst und andere sorgen.“ Nicht nur aufgrund dieser fast schon Agenda-2010-kompatiblen Zukunftsaussichten, sondern v.a. aufgrund der offensichtlichen Wirkungslosigkeit der ergriffenen „Maßnahmen“ und der offensichtlichen Hilflosigkeit der „handelnden“ Akteure in der aktuellen Situation hat es das Vollgeld verdient, in der breiteren Öffentlichkeit wie in der Wissenschaft eilends wahrgenommen und diskutiert zu werden.


Die Realität hat unsere Vorstellungswelt eingeholt …

Die Notenbanken der Welt stellen binnen weniger Tage Liquidität von mehr als 100 Mrd. $ bereit, um eine Vertrauenskrise abzuwenden.
 
Die Verbriefung von Krediten, ihre Abtretbarkeit und die unreflektierte Herausgabe von Hypothekendarlehen im Vertrauen auf exponentielle Wertsteigerungen von Immobilien hat zu dieser Krise geführt, die in keinem Gleichklang mit der realen Wirtschaftsentwicklung verlief.
 
Waren vor wenigen Wochen die Vorstände großer Aktiengesellschaften und auch Banken in der nicht unberechtigten Sorge, Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden, weil angeblich der Börsenwert des Unternehmens zu niedrig sei, so stellt sich jetzt die Frage, ob nicht das eine oder andere Unternehmen im Finanzsektor durch Fehlspekulationen in eine Schieflage gerät und das ganze Kartenhaus mit sich reißt.
 
Wenn die Notenbanken Liquidität nachschießen, nachdem sie zuvor schon durch eine Überliquidität die Voraussetzungen zu Fehlspekulationen geschaffen haben, so ist ein solches Vorgehen zwar psychologisch verständlich und wirkt kurzfristig vielleicht stabilisierend. Aber soll man die Ursache bekämpfen durch Mehrung der die Ursache ausmachenden Liquidität?
 
Liquidität, Geld und Geldvermögen für was? muss nun die grundlegende Frage lauten. Überliquidität hat sich infektiös neue Anlageformen vorwiegend spekulativer Natur erschlossen. Es wird Zeit, darüber nachzudenken, wie reale und sachgerechte Entwicklungen langfristiger Natur gefördert werden können durch ein Geldsystem, welches diese Wucherungen bereits vom Ansatz her bekämpft durch eine Umlaufsicherung des Geldes, die bewirkt, dass sich das Geld der Investition anbietet und die Grenze des Zinses, ab der ein Investitionsstreik und eine Spekulation auf Vermögensmärkten einsetzt, absenkt.

Jörg Gude

NEUE BÜCHER

IRVING FISHER:
100%-Money – 100%-Geld
erstmals in deutscher Übersetzung von Klaus Karwat
157 Seiten, Pb. | 16,90
EURO
ISBN 978-3-87998-451-0                   u BESTELLEN

Der amerikanische Nationalökonom Irving Fisher
(* 27. Februar 1867 in Saugerties/New York,
† 29. April 1947 in New York -City) verbrachte sein gesamtes Berufsleben als Professor an der
berühmten Yale-Universität.

Wirtschafts-Nobelpreisträger James Tobin bezeichnete ihn einmal als den größten amerikanischen Nationalökonomen aller Zeiten. Der Präsident der amerikanischen Zentralbank Ben Bernanke zitiert ihn noch heute. Fisher’s Publikationsliste umfasst 2000 Titel, darunter die Werke „Die Kaufkraft des Geldes“ (1911) und „Zinstheorie“ (1930). Insbesondere die heute verwendeten Preisindizes gehen maßgeblich auf Fisher zurück.
1898 erkrankte er schwer an Tuberkulose und brauchte drei Jahre, um wieder zu genesen. Seitdem publizierte er auch über Gesundheitsfragen.

Beim Börsencrash 1929 verlor er fast sein gesamtes Vermögen und auch seinen guten Ruf, da er noch kurz zuvor zum Kauf von Aktien geraten hatte. Als Konsequenz daraus veröffentlichte er 1935 sein letztes Buch „100%-Money“, in dem er eine Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts auf Geldschöpfung forderte. Zum 60. Todestag von Irving Fisher erscheint das Buch erstmals in deutscher Sprache, übersetzt von Klaus Karwat (Berlin).

Zum Wörgler Freigeldjahr:

GEBHARD OTTACHER:
Der Welt ein Zeichen setzen – Das Freigeldexperiment von Wörgl 1932/33
80 Seiten, Pb. | 12,90 EURO
ISBN 978-3-87998-450-3               u BESTELLEN

Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise versuchte die österreichische Marktgemeinde Wörgl auf Initiative ihres Bürgermeisters Michael Unterguggenberger, auf kommunaler Ebene einen Ausweg aus der Deflationskrise und der Arbeitslosigkeit zu finden. Durch die Ausgabe von sogenanntem Freigeld wurde der Finanzierungsspielraum der Gemeinde erweitert, so dass ein Investitions- und Beschäftigungsprogramm durchgeführt werden konnte. Die Aktion beruhte auf der Geldreformtheorie von Silvio Gesell. Dieser hatte Anfang des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen, Geld unter einen Umlaufzwang zu setzen, um das wirtschaftshemmende Horten von Geld zu verhindern. In diesem Sinne wurde das Wörgler Freigeld mit einer Entwertung von 12 % pro Jahr belegt.

Tatsächlich gelang es in recht kurzer Zeit, die regionale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, den Gemeindehaushalt teilweise zu sanieren und die Arbeitslosenzahl zu vermindern.
Die Wörgler Selbsthilfeaktion befand sich aber nicht in Übereinstimmung mit der Geldpolitik der Österreichischen Notenbank und verstieß zudem gegen den Artikel 122 des Notenbankgesetzes, der das Geldausgabemonopol ausschließlich der Notenbank zusprach. Erst nach dem Durchlaufen aller Berufungsinstanzen wurde die Aktion am 18. November 1933 vom Verwaltungsgerichtshof endgültig untersagt.

Gleichwohl fand das Wörgler Freigeld danach noch Nachahmer in anderen Ländern. In der internationalen Fachliteratur gilt Wörgl als Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung von einigen Komponenten der Reformtheorie von Silvio Gesell.


Wolfgang Broer:
Schwundgeld
Bürgermeister Michael Unterguggenberger und das Wörgler Währungsexperiment 1932/33
400 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen,
fest gebunden,
34.90
EURO / 60.40 SFR
ISBN 978-3-7065-4472-6

Die zentrale wissenschaftliche Publikation über das vom Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger initiierte Währungsexperiment in den Jahren 1932/33.

In den Jahren 1932/33 führte der Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger in seiner Gemeinde das sogenannte „Schwundgeld“ ein, eine Parallelwährung neben dem amtlichen Schilling. Er initiierte dadurch inmitten der Weltwirtschaftskrise ein Währungsexperiment, welches seit damals nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt große Beachtung und Nachahmung
gefunden hat. Dieses Buch stellt das Wörgler Experiment erstmals umfassend in das damalige politische und soziale Koordinatensystem und führt ganz nah an die Menschen und Probleme dieser Zeit heran. Das Wörgler Experiment war natürlich zum einen Dorfgeschichte, gleichzeitig aber zum anderen auch ein Teil der Geschichte Tirols und Österreichs – und in gewisser Hinsicht Weltwirtschaftsgeschichte!

Der Autor:
Wolfgang Broer, Dr., Historiker und Publizist, langjähriger Redakteur der Tageszeitung „Kurier“, Osteuropa-Korrespondent deutscher Zeitungen und Rundfunkanstalten, Chefredakteur des a3-Wirtschaftsverlags. Zahlreiche Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften zu zeitgeschichtlichen, osteuropäischen und verschiedenen wirtschaftlichen Themen.


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