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Eckhard Behrens: Die Notenbanken destabilisieren die Finanzmärkte
Wie liefe es mit alterndem Geld?
aus: Das Goetheanum | Nr. 38 · 07    [PDF]

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Die Realität hat unsere Vorstellungswelt eingeholt …

Die Notenbanken der Welt stellen binnen weniger Tage Liquidität von mehr als 100 Mrd. $ bereit, um eine Vertrauenskrise abzuwenden.
 
Die Verbriefung von Krediten, ihre Abtretbarkeit und die unreflektierte Herausgabe von Hypothekendarlehen im Vertrauen auf exponentielle Wertsteigerungen von Immobilien hat zu dieser Krise geführt, die in keinem Gleichklang mit der realen Wirtschaftsentwicklung verlief.
 
Waren vor wenigen Wochen die Vorstände großer Aktiengesellschaften und auch Banken in der nicht unberechtigten Sorge, Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden, weil angeblich der Börsenwert des Unternehmens zu niedrig sei, so stellt sich jetzt die Frage, ob nicht das eine oder andere Unternehmen im Finanzsektor durch Fehlspekulationen in eine Schieflage gerät und das ganze Kartenhaus mit sich reißt.
 
Wenn die Notenbanken Liquidität nachschießen, nachdem sie zuvor schon durch eine Überliquidität die Voraussetzungen zu Fehlspekulationen geschaffen haben, so ist ein solches Vorgehen zwar psychologisch verständlich und wirkt kurzfristig vielleicht stabilisierend. Aber soll man die Ursache bekämpfen durch Mehrung der die Ursache ausmachenden Liquidität?
 
Liquidität, Geld und Geldvermögen für was? muss nun die grundlegende Frage lauten. Überliquidität hat sich infektiös neue Anlageformen vorwiegend spekulativer Natur erschlossen. Es wird Zeit, darüber nachzudenken, wie reale und sachgerechte Entwicklungen langfristiger Natur gefördert werden können durch ein Geldsystem, welches diese Wucherungen bereits vom Ansatz her bekämpft durch eine Umlaufsicherung des Geldes, die bewirkt, dass sich das Geld der Investition anbietet und die Grenze des Zinses, ab der ein Investitionsstreik und eine Spekulation auf Vermögensmärkten einsetzt, absenkt.

Jörg Gude

NEUE BÜCHER

IRVING FISHER:
100%-Money – 100%-Geld
erstmals in deutscher Übersetzung von Klaus Karwat
157 Seiten, Pb. | 16,90
EURO
ISBN 978-3-87998-451-0                   u BESTELLEN

Der amerikanische Nationalökonom Irving Fisher
(* 27. Februar 1867 in Saugerties/New York,
† 29. April 1947 in New York -City) verbrachte sein gesamtes Berufsleben als Professor an der
berühmten Yale-Universität.

Wirtschafts-Nobelpreisträger James Tobin bezeichnete ihn einmal als den größten amerikanischen Nationalökonomen aller Zeiten. Der Präsident der amerikanischen Zentralbank Ben Bernanke zitiert ihn noch heute. Fisher’s Publikationsliste umfasst 2000 Titel, darunter die Werke „Die Kaufkraft des Geldes“ (1911) und „Zinstheorie“ (1930). Insbesondere die heute verwendeten Preisindizes gehen maßgeblich auf Fisher zurück.
1898 erkrankte er schwer an Tuberkulose und brauchte drei Jahre, um wieder zu genesen. Seitdem publizierte er auch über Gesundheitsfragen.

Beim Börsencrash 1929 verlor er fast sein gesamtes Vermögen und auch seinen guten Ruf, da er noch kurz zuvor zum Kauf von Aktien geraten hatte. Als Konsequenz daraus veröffentlichte er 1935 sein letztes Buch „100%-Money“, in dem er eine Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts auf Geldschöpfung forderte. Zum 60. Todestag von Irving Fisher erscheint das Buch erstmals in deutscher Sprache, übersetzt von Klaus Karwat (Berlin).

Zum Wörgler Freigeldjahr:

GEBHARD OTTACHER:
Der Welt ein Zeichen setzen – Das Freigeldexperiment von Wörgl 1932/33
80 Seiten, Pb. | 12,90 EURO
ISBN 978-3-87998-450-3               u BESTELLEN

Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise versuchte die österreichische Marktgemeinde Wörgl auf Initiative ihres Bürgermeisters Michael Unterguggenberger, auf kommunaler Ebene einen Ausweg aus der Deflationskrise und der Arbeitslosigkeit zu finden. Durch die Ausgabe von sogenanntem Freigeld wurde der Finanzierungsspielraum der Gemeinde erweitert, so dass ein Investitions- und Beschäftigungsprogramm durchgeführt werden konnte. Die Aktion beruhte auf der Geldreformtheorie von Silvio Gesell. Dieser hatte Anfang des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen, Geld unter einen Umlaufzwang zu setzen, um das wirtschaftshemmende Horten von Geld zu verhindern. In diesem Sinne wurde das Wörgler Freigeld mit einer Entwertung von 12 % pro Jahr belegt.

Tatsächlich gelang es in recht kurzer Zeit, die regionale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, den Gemeindehaushalt teilweise zu sanieren und die Arbeitslosenzahl zu vermindern.
Die Wörgler Selbsthilfeaktion befand sich aber nicht in Übereinstimmung mit der Geldpolitik der Österreichischen Notenbank und verstieß zudem gegen den Artikel 122 des Notenbankgesetzes, der das Geldausgabemonopol ausschließlich der Notenbank zusprach. Erst nach dem Durchlaufen aller Berufungsinstanzen wurde die Aktion am 18. November 1933 vom Verwaltungsgerichtshof endgültig untersagt.

Gleichwohl fand das Wörgler Freigeld danach noch Nachahmer in anderen Ländern. In der internationalen Fachliteratur gilt Wörgl als Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung von einigen Komponenten der Reformtheorie von Silvio Gesell.


Wolfgang Broer:
Schwundgeld
Bürgermeister Michael Unterguggenberger und das Wörgler Währungsexperiment 1932/33
400 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen,
fest gebunden,
34.90
EURO / 60.40 SFR
ISBN 978-3-7065-4472-6

Die zentrale wissenschaftliche Publikation über das vom Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger initiierte Währungsexperiment in den Jahren 1932/33.

In den Jahren 1932/33 führte der Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger in seiner Gemeinde das sogenannte „Schwundgeld“ ein, eine Parallelwährung neben dem amtlichen Schilling. Er initiierte dadurch inmitten der Weltwirtschaftskrise ein Währungsexperiment, welches seit damals nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt große Beachtung und Nachahmung
gefunden hat. Dieses Buch stellt das Wörgler Experiment erstmals umfassend in das damalige politische und soziale Koordinatensystem und führt ganz nah an die Menschen und Probleme dieser Zeit heran. Das Wörgler Experiment war natürlich zum einen Dorfgeschichte, gleichzeitig aber zum anderen auch ein Teil der Geschichte Tirols und Österreichs – und in gewisser Hinsicht Weltwirtschaftsgeschichte!

Der Autor:
Wolfgang Broer, Dr., Historiker und Publizist, langjähriger Redakteur der Tageszeitung „Kurier“, Osteuropa-Korrespondent deutscher Zeitungen und Rundfunkanstalten, Chefredakteur des a3-Wirtschaftsverlags. Zahlreiche Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften zu zeitgeschichtlichen, osteuropäischen und verschiedenen wirtschaftlichen Themen.


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