53. Mündener Gespräche am 15. und 16. März 2014
"Aktuelle Diskussion über Negativzinsen & Boden und Geld als Gemeinschaftsgüter"

  Seit geraumer Zeit haben die Leitzinsen, zu denen die Notenbanken den Geschäftsbanken Kredite zur Verfügung stellen, historisch niedrige Stände von nur noch knapp über Null erreicht. Und in Notenbankkreisen wird sogar über eine noch weitere Senkung der Leitzinsen in den negativen Bereich diskutiert. Zugleich regt sich in der Öffentlichkeit Kritik an einer schleichenden Enteignung der Sparer und anderer Anleger, weil die Inflation ihre schwindenden Zinserträge übersteigt. Sind Null- oder gar Negativzinsen tatsächlich ein geldpolitischer Irrweg? Oder könnte es sein, dass sie auf etwas Positives hindeuten, was schon klassische Ökonomen und Marx erwarteten: nämlich einen „tendenziellen Fall der Profitraten“? Fehlen vielleicht zusätzlich zu negativen Leitzinsen nur noch weitere geldpolitische Schritte, um auch die Inflation auf Null zu bringen und die Guthaben- und Kreditzinsen dazu zu bringen, weiter zu sinken? Das ‚Gespenst‘ des Null- und Negativzinses soll auf dieser Tagung von mehreren Seiten beleuchtet werden.
   In Zeiten einer rückläufigen Rendite von Geldanlagen bieten Land und Naturressourcen attraktivere Anlagemöglichkeiten. Jedoch sind sie - ebenso wie das Geld - Gemeinschaftsgüter, die allen Menschen zu gleichen Bedingungen zur Verfügung stehen müssen und mit denen nicht spekuliert werden darf. Soll es deshalb weiterhin Eigentumsrechte am Boden und an den Ressourcen oder besser nur entgeltliche private Nutzungsrechte geben? Im Rahmen dieser Tagung soll Franz Oppenheimer anlässlich seines 150. Geburtstags gewürdigt werden, der ein bedeutender Vordenker einer menschenrechtlich fundierten Reform des Bodenrechts war.
   Beide Themenkreise der nächsten Mündener Gespräche führen zu der zentralen Frage, welchen Platz eigentlich das Geld in Zukunft in der menschlichen Gesellschaft einnehmen sollte. Diese Frage soll nicht nur ökonomisch, sondern auch philosophisch ausgelotet werden.

Negativzinsen - Fluch oder Segen?

Reg.-Dir. i.R. Eckhard Behrens, Heidelberg, Seminar für freiheitliche Ordnung, Bad Boll

Boden: Eigentum oder Nutzung
Prof. Dr. Johann Walter, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen

Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist: Deutsch-jüdische Identitätskonstruktionen am Beispiel von Franz Oppenheimer (1864-1943)
Claudia Willms M.A., Uni Frankfurt - Institut für Soziologie

Im Bann des Geldes
Dipl.-Volkswirt Markus Pühringer, Grüne Bildungswerkstatt Linz/Österreich

Sozialphilosophie des Geldes
Dr. Helmut de Craigher, freier Wirtschaftsdozent und Coach, Stuttgart
Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaft und Ethik e.V.
 

54. Mündener Gespräche am 22. und 23. November 2014
"Neue Orientierungen der Geld- und Bodenrechtsreform"

Die anhaltende Weltfinanzkrise ging ursprünglich mit einer Immobilienkrise einher, was auf den engen Zusammenhang zwischen Bodenrecht und Geldwesen hindeutet - und die Notwendigkeit eines Gesamtpakets von Geld- und Bodenrechtsreformen unterstreicht. Dies ist schon häufiger Thema bei den Mündener Gesprächen gewesen. Jedoch genügt es nicht, bekannte Reformvorschläge von Zeit zu Zeit nur zu wiederholen, sondern sie bedürfen auch - als Reaktion auf die sich ändernden Zeitumstände - ihrer stetigen Weiterentwicklung.
   Das weltweite Landgrabbing zeigt, wie sehr der Boden in den vergangenen Jahren als Folge der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten zu einem ‚sicheren‘ Anlageobjekt geworden ist. Um ihn konkurrieren nicht mehr nur die Bau- und die Landwirtschaft, sondern auch die Energiewirtschaft,   mächtige Finanzjongleure und strategische Vorratspolitik betreibende Staaten.
   Die auf Silvio Gesell zurückgehenden Vorschläge zur Reform des Bodenrechts sind noch immer von grundlegender Bedeutung, aber sie bedürfen der Aktualisierung ebenso wie andere Ansätze zur Reform des Bodenrechts, z.B. derjenige von Henry George. Dann können diese unterschiedlichen Ansätze sich sinnvoll ergänzen und zu einer tragfähigen Ordnung des sozial- und umweltverträglichen Umgangs mit dem Boden und der Natur führen.
   Die derzeitige Niedrigzinspolitik der Notenbanken legt es auch für den Mainstream der Ökonomie nahe, über die Rolle des Zinses in der Wirtschaft neu nachzudenken. Minimale oder gar negative Leitzinsen rütteln an der Gültigkeit herrschender Geld- und Zinstheorien. Sind Null- bzw. Negativzinsen wirklich so abwegig, wie vielfach angenommen wird? Wenn nicht - welcher Instrumentarien bedürfen die Notenbanken noch, um wieder handlungsfähig zu werden?
   Die realen Entwicklungen auf den Immobilien- und Finanzmärkten kommen der Geld- und Bodenrechtsreform gleichsam entgegen. Umso wichtiger ist es, sie anzunehmen als Anstöße zum Weiterdenken über Bekanntes und Neues. Dazu sind die Mündener Gespräche da. Wir laden Sie sehr herzlich ein zum Mitdenken und Mitreden über neue Orientierungen der Geld- und Bodenrechtsreform.

„Pay for what you get!“ - Henry George als Ergänzung zu Silvio Gesell
Prof. Dr. Dirk Löhr, Hochschule Trier - Umwelt-Campus Birkenfeld 

Bodenrausch - Die globale Jagd nach den Äckern der Welt
Dr. Wilfried Bommert,  Institut für Welternährung e.V. - www.wilfried-bommert.de
Nümbrecht bei Köln
                
Negative Zinsen und ihre Auswirkungen – Perspektiven eines volkswirtschaftlichen Novums
Fritz Andres, Kirn

Die Geldreform und das IS/LM-Modell der Standardökonomie - Ein niedriger Zinssatz ist ein guter Zinssatz
Dipl.-Volkswirt Ass.jur. Jörg Gude, Steinfurt

Strategiediskussion: Was bieten die neueren Entwicklungen im Bereich des Geldwesens (Negativzins) und der Bodenordnung (Grundsteuerreform, Landgrabbing, Klima) für die Geld- und Bodenreformbewegung an neuen Aufgaben und Chancen?
Moderation: Fritz Andres

55. Mündener Gespräche am 21. und 22. März 2015
"Negative Zinsen im wissenschaftlichen und interkulturellen Dialog"

EZB-Präsident Draghi kündigte kürzlich an, dass die EZB bis zum September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen mit Wert von 1,1 Billionen Euro kaufen werde. Angesichts von Inflationsraten weit unter der angestrebten Zielgröße der EZB will er damit die drohende Gefahr eines Umkippens in eine Deflation bannen. Die zur Verfügung gestellte Liquidität soll die Inflationsrate und die Inflationserwartungen nach oben bringen und dadurch nicht nur die Konjunktur in Europa stimulieren, sondern auch der EZB negative Leitzinsen ermöglichen.
  Die Diskussion um Negativzinsen ist in der Fachwelt neu. Noch vor wenigen Jahren hätte man sie für absurd gehalten. Doch nun wird nicht nur gefordert, die Notenbanken müssten die Möglichkeit zu real negativen Leitzinsen erhalten, sondern es werden auch – vorerst auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei den Notenbanken, inzwischen aber auch auf große, liquide Guthaben von privaten Haltern bei Geschäftsbanken – negative Nominalzinsen tatsächlich erhoben. Damit bewegt man sich in die Richtung dessen, was die Geldreformer seit über 100 Jahren fordern: eine spürbare Belastung der liquiden Mittel – und damit auf das Ziel, die kurzfristigen Zinsen deutlich in den Minusbereich zu drücken und den mittel- und langfristigen Zinsen die Möglichkeit zu geben, sich bei einem Gleichgewichtsniveau von durchschnittlich Null einzupendeln. Der große britische Ökonom John Maynard Keynes erwartete schon vor 80 Jahren einen „wirtschaftspolitischen Gezeitenwechsel“, bei dem die Renditen von Geld- und Realkapital einmal langfristig gegen Null gehen werden.
  Solche Vorstellungen gehen bereits auf die Ursprünge der jüdisch-christlich-muslimischen Religionen zurück. Parallel zum Aufstieg des modernen Kapitalismus wurden sie im Westen weitgehend verdrängt, während sie in der arabischen Welt in Gestalt des „Islamic Banking“ noch präsent sind und auch praktiziert werden. Was also liegt näher in Zeiten, in denen der Westen und der islamische Kulturkreis in tragischer Weise auseinander driften, als eine Brücke zu bauen und die Mündener Gespräche für einen Dialog zu nutzen, der die Überlieferung der islamischen Zinskritik mit den geld- und zinskritischen Ansätzen im westlich-alternativökonomischen Denken verbindet?
  Außerdem soll die Aufmerksamkeit noch auf ein ganz anderes Problemfeld gelenkt werden, nämlich – in Anknüpfung an die Behandlung des Landgrabbings bei den letzten Mündener Gesprächen – auf die Bioökonomie. Ursprünglich mit dem Ziel angetreten, die Wirtschaft nach dem Vorbild der Natur umzugestalten, ist aus ihr mittlerweile ein großer Geschäftszweig geworden, der die Lösung von Menschheitsfragen verspricht, aber in Wirklichkeit die Natur wie einen Steinbruch ausbeutet - nur um Renditen zu erzielen.

Zinspolitik der EZB: Tugendpfad oder Straße der Verdammnis?
Prof. Dr. Dirk Löhr, Hochschule Trier, Umwelt-Campus Birkenfeld

Keynes‘ „Vorliebe für Liquidität“ und die neuere Negativzinsentwicklung
Prof. Dr. Thomas Huth, Leuphana-Universität Lüneburg

Die Endlagerung von Verlusten in der Zentralbankbilanz am Beispiel der Europäischen Währungsunion
Dr. Max Danzmann, Frankfurt  

Islamisches Zinsverbot revisited  -  Eine historisch-kritische Betrachtung
Mag. Abdelaali El Maghraoui, Islamwissenschaftler und Volkswirt an der Universität Tübingen

Bioökonomie - ein radikales ökonomisches Paradigma und die Geschichte seiner Pervertierung 
Dr. Hans-Günter Wagner, Hessenkolleg Kassel und Berufsakademie Plauen 

56. Mündener Gespräche am 21. und 22. November 2015
"Vom Wachstum zum stationären Wirtschaften?"

1972 schreckten Donella & Dennis Meadows und Jørgen Randers die Welt mit ihrem Bericht des Club of Rome „Grenzen des Wachstums“ auf und es gab vielerlei Bestrebungen, die Wirtschaft von ihrem als gefährlich erkannten Kurs eines wachsenden Ressourcenverbrauchs abzubringen. Die ökologische Bewegung nahm damals kräftig an Fahrt auf. Aber sie verlief in weiten Teilen konzeptionslos und versuchte mit problematischen Mitteln, der Probleme Herr zu werden. Auch verlor sie im Laufe der 1980er und 1990er Jahre an Schwungkraft, als sich der Glaube verbreitete, dass sich der Kapitalismus durch einen technischen Wandel umweltfreundlich umbauen ließe, ohne seine Grundstrukturen in Frage zu stellen.
  Mit Zauberformeln wie „Ökologische Modernisierung“, „Green New Deal“ usw. wurden inzwischen mehr als 30 Jahre an kostbarer Zeit verschenkt, die sich für einen grundlegenden Kurswechsel hätten nutzen lassen. Zwar sind auch technische Effizienzsteigerungen notwendig, aber sie allein werden nicht ausreichen, die auf die Menschheit zurollenden Probleme der Erderwärmung und der gewaltsamen Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Ressourcen zu bewältigen.
  Es ist dringend an der Zeit, sich die notwendige Reduzierung des Ressourcenverbrauchs wieder stärker vor Augen zu führen, wie es kürzlich zum Beispiel durch den „Living-Planet-Report“ des WWF geschah (http://www.wwf.de/living-planet-report/). Und es ist an der Zeit, stärker über einen Abschied vom Wachstumsparadigma der Wirtschaftswissenschaften und der Politik nachzudenken.
  Dies wird das Gesamtthema der 56. Mündener Gespräche sein. Wir werden uns an frühe, zum Teil in Vergessenheit geratene Ansätze einer Wachstumskritik erinnern, im Blick auf aktuelle Diskussionen in der Standardökonomie überlegen, was genau unter einer stationären Wirtschaft zu verstehen ist und auch damit verbundene offene Fragen benennen: Welchen Einfluss hat die ökonomische Ungleichheit auf das Streben nach Wirtschaftswachstum? Welche Rolle könnte die Kultur beim Übergang in eine nicht mehr wachsende Wirtschaft spielen? Schließlich wollen wir uns vor dem Hintergrund der aktuellen Negativzinsentwicklung auf theoretisches Neuland begeben und überlegen, ob minimale oder gar negative Zinsen den Weg zu einem stationären Wirtschaften erleichtern könnten.

Leopold Kohr, Ernst Friedrich Schumacher und Ivan Illich - Wachstumskritiker der ersten Stunde 
PD Dr. Helmut Woll, Bremen

Das Ende des Kapitalismus bei Marx, Gesell, Schumpeter und Keynes
Dipl.Volksw. Ass.jur. Jörg Gude, Steinfurt

Wirtschaften ohne Wachstum - Charakteristika und Voraussetzungen
M.Sc. Oliver Richters, Universität Oldenburg und 1. Vors. der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ)

Degrowth braucht eine Reform der Geld- und Ressourcenordnung
Beate Bockting, Redaktion „Fairconomy“ und INWO e.V., Greven
& Dipl.-Math. Alwine Schreiber-Martens, INWO e.V., Jahnishausen/Riesa

Durch Negativzinsen zu Wachstum oder zu stationärem und sozialem Wirtschaften?
Prof. Dr. Johann Walter, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen

57. Mündener Gespräche am 12. und 13. März 2016
„Quo vadis Europa?“

Die Erweiterung der Europäischen Union um ehemals kommunistisch regierte Länder Mittel- und Osteuropas wurde in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts als großer Schritt auf dem Weg zur Vollendung einer gesamteuropäischen Friedensordnung gefeiert. Spätestens seit dem Beginn der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008 wird jedoch sichtbar, dass es sich beim Projekt Europa und seiner Gemeinschaftswährung um ein schwieriges Unterfangen handelt: nämlich um den Versuch, mit ungelösten Problemen der eigenen Verfassung und einer unvollkommenen Gemeinschaftswährung innerhalb einer instabilen Weltwirtschaft eine europäische Insel der Stabilität zu schaffen.
   Inzwischen haben die vielschichtigen realen Krisen die Strahlkraft der Vision Europa verringert. Die internationale Finanzkrise führte in Europa, wo sie sich in einer Staatsschuldenkrise fortsetzte, zu offenen Verstößen der Mitgliedsstaaten gegen die Vertragsgrundlagen der Gemeinschaftswährung und im Gefolge davon zu Zerreißproben, die nur mit milliardenschweren Rettungspaketen notdürftig vorübergehend bewältigt werden konnten. Auf dem viel beschworenen gemeinsamen europäischen Markt traten wieder nationalstaatliche Interessen zutage und in einem erschreckenden Ausmaß gewinnen quer durch Europa nationalistisch-rechtspopulistische Kräfte wie AfD und Pegida in Deutschland, der Front National in Frankreich usw. an Einfluss. An allen Ecken und Enden zeigen sich Auflösungserscheinungen. Noch nicht gebannt sind die Gefahren eines Ausscheidens von Griechenland aus dem Euro („Grexit“) und von Großbritannien aus der EU („Brexit“). In der Ukraine schwelt der Bürgerkrieg weiter, die Türkei versinkt in Gewalt.
   Seit dem vergangenen Sommer ist die krisenhafte Gemengelage in Europa in den Schatten der sog. Flüchtlingskrise getreten, welche ihrerseits nicht zuletzt eine Folge der ungerechten kapitalistischen Weltwirtschaft ist. Krieg und Terror sind ihre unvermeidlichen Begleiter, die die Demokratie beschädigen und das Sicherheitsbedürfnis zulasten der Freiheit erhöhen.
   Wie soll es unter diesen Umständen mit Europa weitergehen? Eine Rückkehr in die Zeiten unverbundener rivalisierender Nationalstaaten in Europa kann keine ernsthafte Option sein. Doch die bisherigen Formen der europäischen Einigung erweisen sich als brüchig. Welche Fehler wurden da in der Vergangenheit gemacht? Und welche Voraussetzungen müssen für eine Erfolg versprechende Fortsetzung des Projekts Europa geschaffen werden? Über pragmatische Maßnahmen zur kurzfristigen Stützung des einsturzgefährdeten Hauses Europa hinaus braucht es ein Nachdenken über eine in sich stimmige, rechtsstaatliche, föderale und demokratische Verfassung Europas sowie eine funktionsfähige Ordnung der Währung und des Finanzsektors. Die Tagung will dazu einen konstruktiven Beitrag leisten.

Kurze Einblicke in die neuere griechische Geschichte von 1825 bis in die Gegenwart
Werner Onken, Dipl.-Ökon., Oldenburg  

EU und Euro in der Krise - Perspektiven für ein anderes Europa
Elke Schenk, Sozialwissenschaftlerin und  Redaktionsmitglied „globalcrisis/globalchange NEWS“, Stuttgart  

Finanzmarkt-, Staatsschulden- und Eurokrise - Wo stehen wir heute - Entwarnung oder kurz vor Ultimo?
Prof. Dr. Helge Peukert (Universität Erfurt)     

Stabilisierung des Euro durch Vollgeld?
Dr. Max Danzmann, Frankfurt/M.

Griechenland braucht eine andere Geldpolitik! Euro-Austritt - Parallelwährung - oder?
Eckhard Behrens, Heidelberg, Vorstandsmitglied des „Seminars für freiheitliche Ordnung“, Bad Boll

 

Seit Herbst 2016 ist die Silvio-Gesell-Tagungsstätte am grünen nördlichen Stadtrand von Wuppertal der neue Veranstaltungsort:

58. Mündener Gespräche am 29. und 30. Oktober 2016
"Boden, Ressourcen und Atmosphäre sind Menschheitsgüter! - Was folgt daraus?"

  Während die klassische Ökonomie noch die Rolle der Natur bei der Hervorbringung des „Wohlstands der Nationen“ (Adam Smith) im Blick hatte, betrachtet die Ökonomie seit rund einhundert Jahren das Sozialprodukt der Gesellschaft nur noch als Ergebnis des Einsatzes von Arbeit, Kapital und technischem Fortschritt. Boden und sonstige Ressourcen zählt sie zum Kapital und behandelt sie wie Waren, mit denen sich Handel treiben und spekulieren lässt.
   Inzwischen erweist sich, dass diese Behandlung der natürlichen Lebensgrundlagen einerseits Privilegien schafft und – aus diesen folgend – Zwietracht hervorruft. Und andererseits führt sie mit der Übernutzung von Gemeinschaftsgütern zu schwerwiegenden ökologischen Fehlentwicklungen. Die gewaltsamen Konflikte um Ressourcen und die von der Erderwärmung ausgehende Zunahme von ökologischen Ungleichgewichten sind hierfür unübersehbare, bedrohliche Anzeichen.
   Beide Krisenentwicklungen werden in Zukunft, wenn sie nicht gebremst werden, immer mehr Menschen in existenzielle Not bringen und zur Flucht aus ihrer bisherigen Heimat zwingen. Es wird daher höchste Zeit, dass sich eine genügende Anzahl von Menschen bewusst wird, dass der Boden, die Ressourcen und die Erdatmosphäre gemeinschaftliche Güter aller Menschen sind, deren private Nutzung zwar möglich bleiben muss, aber nicht länger wildwüchsig erfolgen darf.
   Dieser Grundgedanke stand bereits einmal im Mittelpunkt der sog. Bodenrechtsreformbewegung. Der amerikanische Sozialreformer Henry George betrachtete im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nicht nur den Boden, sondern auch die Ressourcen und die Erdatmosphäre als „Land“ und gemeinschaftliches Gut aller Menschen. Und der deutsche Sozialreformer Silvio Gesell widersprach der Rede von der ‚englischen Kohle‘, dem ‚deutschen Kali‘ oder dem ‚amerikanischen Erdöl‘. Er betrachtete alle irdischen Ressourcen als gemeinschaftliche Menschheitsgüter, für deren private Nutzung durch die Weltgemeinschaft Nutzungsentgelte erhoben werden sollten, welche sodann in gleichen Pro-Kopf-Beträgen an jeden einzelnen Menschen zurückfließen sollten.
   Bisherige Versuche, die Nutzung von Umweltgütern mit Preisen zu belegen wie die Öko-Steuer oder die CO2-Zertifikate, bleiben noch weit hinter den Grundgedanken der Bodenrechtsreformbewegung zurück. Letztere bedürfen aber der Aktualisierung und Weitentwicklung. Der friedens- wie der umweltpolitische Gehalt dieser Weiterentwicklungen soll in diesem Herbst bei den Mündener Gesprächen ausgelotet werden. .

Die Bodenrente und ihre Wiederentdeckung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
Dr. Norbert Olah, Neuss

Ansätze einer effizienten und gerechten Ressourcennutzung
Dr. Henning Wilts, Leiter des Geschäftsfelds Kreislaufwirtschaft
am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie

Ökologische Steuerreform - eine Totgeburt?
Prof. Dr. Dirk Löhr, Hochschule Trier, Umwelt-Campus Birkenfeld

Ökologisches Grundeinkommen - freiheitliche Umwelt- und Sozialpolitik
Dr. Ulrich Schachtschneider, Oldenburg

Bodenreform und Menschenbild
Fritz Andres, Seminar für freiheitliche Ordnung, Bad Boll e.V.



Fritz Andres (links) und Prof. Dr. Dirk Löhr (rechts)

 


Klezmermusik von Stefan Mekiffer
Autor von "Warum eigentlich genug Geld für alle da ist" (München 2016)