Mündener Gespräche

Die 57. Mündener Gesprächen fanden am 12./13. März 2016
zum Thema "Quo vadis, Europa?" statt.


Einführung

Die Erweiterung der Europäischen Union um ehemals kommunistisch regierte Länder Mittel- und Osteuropas wurde in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts als großer Schritt auf dem Weg zur Vollendung einer gesamteuropäischen Friedensordnung gefeiert. Spätestens seit dem Beginn der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008 wird jedoch sichtbar, dass es sich beim Projekt Europa und seiner Gemeinschaftswährung um ein schwieriges Unterfangen handelt: nämlich um den Versuch, mit ungelösten Problemen der eigenen Verfassung und einer unvollkommenen Gemeinschaftswährung innerhalb einer instabilen Weltwirtschaft eine europäische Insel der Stabilität zu schaffen.

Inzwischen haben die vielschichtigen realen Krisen die Strahlkraft der Vision Europa verringert. Die internationale Finanzkrise führte in Europa, wo sie sich in einer Staatsschuldenkrise fortsetzte, zu offenen Verstößen der Mitgliedsstaaten gegen die Vertragsgrundlagen der Gemeinschaftswährung und im Gefolge davon zu Zerreißproben, die nur mit milliardenschweren Rettungspaketen notdürftig vorübergehend bewältigt werden konnten. Auf dem viel beschworenen gemeinsamen europäischen Markt traten wieder nationalstaatliche Interessen zutage und in einem erschreckenden Ausmaß gewinnen quer durch Europa nationalistisch-rechtspopulistische Kräfte wie AfD und Pegida in Deutschland, der Front National in Frankreich usw. an Einfluss. An allen Ecken und Enden zeigen sich Auflösungserscheinungen. Noch nicht gebannt sind die Gefahren eines Ausscheidens von Griechenland aus dem Euro („Grexit“) und von Großbritannien aus der EU („Brexit“). In der Ukraine schwelt der Bürgerkrieg weiter, die Türkei versinkt in Gewalt.

Seit dem vergangenen Sommer ist die krisenhafte Gemengelage in Europa in den Schatten der sog. Flüchtlingskrise getreten, welche ihrerseits nicht zuletzt eine Folge der ungerechten kapitalistischen Weltwirtschaft ist. Krieg und Terror sind ihre unvermeidlichen Begleiter, die die Demokratie beschädigen und das Sicherheitsbedürfnis zulasten der Freiheit erhöhen.

Wie soll es unter diesen Umständen mit Europa weitergehen? Eine Rückkehr in die Zeiten unverbundener rivalisierender Nationalstaaten in Europa kann keine ernsthafte Option sein. Doch die bisherigen Formen der europäischen Einigung erweisen sich als brüchig. Welche Fehler wurden da in der Vergangenheit gemacht? Und welche Voraussetzungen müssen für eine Erfolg versprechende Fortsetzung des Projekts Europa geschaffen werden? Über pragmatische Maßnahmen zur kurzfristigen Stützung des einsturzgefährdeten Hauses Europa hinaus braucht es ein Nachdenken über eine in sich stimmige, rechtsstaatliche, föderale und demokratische Verfassung Europas sowie eine funktionsfähige Ordnung der Währung und des Finanzsektors. Die Tagung will dazu einen konstruktiven Beitrag leisten.

Die Hauptbeiträge:

SAMSTAG, 12. MÄRZ 2016

9.45 Uhr  Kurze Einblicke in die neuere griechische Geschichte von 1825 bis in die Gegenwart
Werner Onken, Dipl.-Ökon., Oldenburg

10.45 Uhr  EU und Euro in der Krise - Perspektiven für ein anderes Europa
Elke Schenk, Sozialwissenschaftlerin und Redaktionsmitglied „globalcrisis/globalchange NEWS“, Stuttgart

14.30 Uhr  Finanzmarkt-, Staatsschulden- und Eurokrise - Wo stehen wir heute - Entwarnung oder kurz vor Ultimo?
Prof. Dr. Helge Peukert  (Universität Erfurt)     

16.30 Uhr  Stabilisierung des Euro durch Vollgeld?
Dr. Max Danzmann, Frankfurt/M.

SONNTAG, 13. MÄRZ 2016

9.00 Uhr  Griechenland braucht eine andere Geldpolitik! Euro-Austritt - Parallelwährung - oder?
Eckhard Behrens, Heidelberg, Vorstandsmitglied des "Seminars für freiheitliche Ordnung", Bad Boll

Der nächste Termin:

ACHTUNG: neuer Termin & neuer Veranstaltungsort!
Die 58. Mündener Gespräche
finden am 29./30. Oktober 2016 unter dem Thema
"Ressourcen und Klima als Menschheitsgüter" in der
Silvio-Gesell-Tagungsstätte in Wuppertal statt.

Anmeldung | Tagungsgebühr

Die Anmeldung zur Tagung erfolgt ausschließlich bei der SG.

Die Tagungsgebühr beträgt 25 €, für Tagesgäste 15 € (Richtsatz).
Studierende, Auszubildende und Arbeitslose zahlen keine Tagungsgebühr.

Organisatorisches

Tagungsablauf
Der Empfang in der Tagungsstätte – Zimmerzuweisung – bittet um möglichst frühe Ankunft. Tagesgäste ohne Übernachtung und Verpflegung sind willkommen.

Jugend-Fonds
Auf begründeten Antrag an die Geschäftsstelle (s. Kontakte) können Zuschüsse zu den Tagungskosten an Studierende und junge Erwerbslose in Höhe von 50 Euro gezahlt werden, bei erheblichen Fahrtkosten bis 80 Euro.

Kontakt: Sozialwissenschaftliche Gesellschaft
Geschäftsstelle: Dipl.-Volksw. Ass.jur. Jörg Gude, Wiedel 13, 48565 Steinfurt
eMail: JoergGude@aol.com

Tagungsstätte

Informationen zum neuen Veranstaltungsort folgen.